Fliege binden: Wie bindet man eine Fliege selber?
von Andreas Thenhaus
Die Schleife (auch Fliege) selber binden
Fliege binden: die Königsdisziplin des guten Geschmacks! Die Fliege, die Schleife oder das Mascherl (österr.) des Herrn sollte stets selbst gebunden sein. Alternative: die von Hand vorgebundene Schleife mit rückwärtigem Haken. Vor einfachen, fertig gebundenen Modellen, am Ende sogar mit Gummizug oder fest vernäht, wird gewarnt.
Joost Bom mit vorgebundener Schleife
Nun, ganz so arg ist es natürlich nicht. Warum sollte der moderne Mann nicht auch die Vorzüge fertig gebundener Schleifen genießen? Das ist wie mit löslichem Kaffee und Rasierschaum aus der Sprühdose - alles ist möglich und dem persönlichen Geschmack überlassen. Doch achten Sie auch hier auf Qualität. Wer es aber klassisch mag und berühmten Schleifenträgern nacheifern will, der ist gut beraten im Fliege binden. Bekannte und bekennende Träger waren zum Beispiel der britische Premierminister Winston Churchill und der James Bond-Autor Ian Fleming aber auch Charaktere fiktiven Ursprungs: Sherlock Holmes, Hercule Poirot und last but not least Donald Duck. Schnell wird beim Studium dieser illustren Liste deutlich, dass der Querbinder offenbar sturmerprobter Begleiter von Querdenkern ist. Was alle eint ist, dass selbst gebundene Fliegen bevorzugt werden und fertig gebundene Varianten in der Geschichte keine Erwähnung finden. Fliege binden ist eben wie Krawatte binden: Wer es nicht kann, sollte es schleunigst lernen!

Gar nicht so schwer: die Fliege selbst binden
Die Schleife in der Geschichte
Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts trug der fein gekleidete Herr seine Schleife üppig und oft mehrfach um den Hals geschlungen. Man sieht es sehr schön in der Porträtmalerei der Zeit: Goethe, Lord Byron, Fürst Pückler - fein verschlungen und sorgsam verknotet ist der Hals geschmückt. Das ist sehr schön, doch heutzutage im sartorialen Alltag vielleicht doch ein wenig zu viel Beau Brummell, Jane Austen und Mr. Darcy. Aber auch hier lasse sich jeder von seinem eigenen Geschmack leiten. Um 1870 entstand so der Querbinder, die Krawattenschleife, die Fliege oder das Mascherl (österr.). Mal üppig, mal schmal, mal keck ziert die Schleife seitdem zahllose Männerkragen aufs Allerbeste.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Binden der Fliege
Und wie bindet man eine Fliege, oder besser Schleife?
Dem ungeübten Herrn erscheint die Sache zunächst etwas kompliziert. Doch wer das Binden einer Krawatte, das Fahrradfahren ohne Stützräder und das Rasieren ohne elektrischen Strom erlernen konnte, dem wird auch dieses Vorhaben ein willkommenes Abenteuer sein. Zunächst sieht man sich den Neuerwerb gründlich an. Zuweilen besteht dieser aus zwei Teilen mit einem Haken und kleinen Löchern mit Größenangaben. Das ist die Kragenweite. Die wählt man einmalig und nicht zu eng. Eher eine halbe Nummer größer als der Hemdkragen. Jetzt wird die Schleife bei hochgeklapptem Kragen um den Hals gelegt und wie abgebildet verknotet. Das ist einfach und auch für ungeübte Herren, die ansonsten Krawatten bevorzugen, problemlos machbar. Nun den noch lose herabhängenden Teil der Fliege locker zum Schmetterling formen und hinten mit spitzem Finger in den Knoten schieben. Alles etwas richten - und fertig ist die selbst gebundene Fliege, nein: Schleife. Manche Schleifen verfügen über einen zusätzlichen Haken, der es dem Träger ermöglicht, die selbst gebundene Schleife hiermit zu öffnen und so gebunden mehrfach zu verwenden.


Feine Handarbeit aus Italien: unsere Schleifen
Fliege binden: Schritt für Schritt erklärt
Für alle, denen die Grafik zu schnell geht, hier die ausführliche Anleitung in sechs Schritten. Nehmen Sie sich beim ersten Mal zehn Minuten Zeit und üben Sie vor dem Spiegel. Nach drei oder vier Versuchen sitzt der Griff, und das Fliege binden geht bald so selbstverständlich von der Hand wie das Binden der Schnürsenkel.
Schritt 1: Die Kragenweite einstellen
Stellen Sie die Fliege über die kleinen Schlaufen oder Ösen auf Ihre Halsweite ein - eher eine halbe Nummer größer als der Hemdkragen, damit nichts einschnürt. Diese Einstellung nehmen Sie nur einmal vor, sie bleibt dann für alle künftigen Auftritte erhalten.
Schritt 2: Um den Kragen legen
Klappen Sie den Hemdkragen hoch und legen Sie die offene Fliege um den Hals. Ein Ende sollte etwa eine Handbreit länger herabhängen als das andere. Mit welcher Seite Sie beginnen, ist Geschmackssache - wichtig ist nur, dass Sie es immer gleich halten, dann wird jeder Versuch besser.
Schritt 3: Der einfache Knoten
Kreuzen Sie das längere über das kürzere Ende und führen Sie es von unten durch die entstandene Halsschlinge nach oben - genau wie beim ersten Schritt des Schuhebindens. Ziehen Sie den Knoten behutsam an den Hals. Das nach oben geführte Ende legen Sie vorerst über die Schulter, es kommt gleich wieder ins Spiel.
Schritt 4: Die vordere Schlaufe formen
Nun falten Sie das herabhängende, kürzere Ende an der schmalsten Stelle zur Schleifenform - der Flügel zeigt waagerecht nach links und rechts. Halten Sie diese Form mit Daumen und Zeigefinger vor dem Kragenknopf fest. Diese Schlaufe ist die sichtbare Vorderseite Ihrer Fliege.
Schritt 5: Das hintere Ende durchstecken
Jetzt kommt der Moment, an dem die meisten aufgeben - dabei ist es ganz einfach: Lassen Sie das über die Schulter gelegte Ende mittig über die gehaltene Schlaufe fallen. Falten Sie auch dieses Ende zum Flügel und schieben Sie es mit spitzem Finger hinter der vorderen Schlaufe durch das kleine Tunnelchen, das sich dort gebildet hat. Von hinten betrachtet liegt nun Flügel auf Flügel.
Schritt 6: Richten und in Form ziehen
Ziehen Sie abwechselnd an den gefalteten und den offenen Enden, bis der Knoten fest sitzt und beide Flügel gleich groß erscheinen. Zupfen Sie die Fliege zurecht, klappen Sie den Kragen herunter - fertig. Ein letzter Blick in den Spiegel, gern auch mit einem Auge zugekniffen: Sitzt sie leicht schief, ist das kein Fehler, sondern der Beweis der Handarbeit.
Häufige Fehler beim Fliege binden
Aus vielen Jahren mit Kunden, Freunden und eigenen Spiegelversuchen kennen wir die klassischen Stolpersteine:
- Zu fest gezogen: Der Knoten wird beim Binden zu früh festgezurrt, dann lässt sich das zweite Ende nicht mehr durchstecken. Lassen Sie dem Knoten Luft und ziehen Sie erst ganz am Ende fest.
- Falsche Halsweite: Eine zu eng eingestellte Fliege drückt und wirft den Kragen. Lieber eine halbe Nummer weiter.
- Perfektion erzwingen: Eine selbst gebundene Fliege darf leicht asymmetrisch sitzen. Wer millimetergenaue Symmetrie will, trägt in Wahrheit lieber die vorgebundene Variante - auch das ist erlaubt.
- Vor dem Anziehen binden: Die Fliege wird am Hals gebunden, nicht in der Hand. In der Hand gebunden lässt sie sich kaum noch über den Kopf bugsieren.
- Aufgeben nach dem zweiten Versuch: Der dritte Versuch ist erfahrungsgemäß der, bei dem der Groschen fällt. Durchhalten!
Fliege oder Schleife? Eine kleine Begriffskunde
Beide Wörter meinen dasselbe Accessoire. Fliege ist der heute geläufige Begriff, Schleife (oder Krawattenschleife) die traditionelle Bezeichnung des Herrenausstatters, die wir aus Verbundenheit zur Geschichte des Hauses pflegen. Dazu gesellen sich das österreichische Mascherl, der norddeutsche Querbinder und das englische bow tie. Wer also eine Fliege für Herren sucht, ist in unserer Fliegen- und Schleifen-Kollektion richtig - gleich, welches Wort er dafür verwendet.
Die Formen der Fliege: Butterfly, Batwing und Spitzflügel
Fliege ist nicht gleich Fliege - drei Grundformen teilen sich das Feld. Der Butterfly (Schmetterling) ist die klassische, geschwungene Form mit etwa sechs bis sieben Zentimetern Flügelhöhe - sie steht praktisch jedem und ist die Form unserer neapolitanischen Schleifen. Die Batwing (Fledermausflügel) ist schmaler und gerade geschnitten, kaum fünf Zentimeter hoch - sie wirkt moderner und verlangt etwas mehr Präzision beim Binden, da die schlanke Form kleine Fehler weniger gnädig verbirgt. Der Spitzflügel (Diamond Point) läuft an den Enden spitz zu und ergibt gebunden eine reizvolle, leicht asymmetrische Silhouette mit einer Spitze über und einer unter dem Knoten - eine Form für Kenner, die beim Selberbinden übrigens die dankbarste ist: Die Asymmetrie gehört hier zum Konzept. Für die Wahl gilt die alte Proportionsregel: Die Fliege sollte nicht breiter sein als die Außenkanten der Augen des Trägers - so bleibt das Gesicht die Hauptsache.
Die Fliege zum Anzug: Wann trägt man sie?
Zum Smoking ist die schwarze, selbst gebundene Seidenschleife Pflicht - Black Tie eben. Zum Frack (White Tie) gehört die weiße Schleife aus Piqué. Auf der Hochzeit hat der Bräutigam alle Freiheiten: von gedeckter Seide bis zum feinen Muster, gern abgestimmt auf ein Einstecktuch - abgestimmt heißt harmonierend, nicht identisch. Und im Alltag? Die Fliege zum Anzug oder zum Sakko war einst das Erkennungszeichen von Professoren, Architekten und Ärzten - praktisch, weil sie beim Vorbeugen nicht in die Suppe hängt. Heute trägt sie, wer sich vom Einerlei der Krawatten abheben möchte. Ein gemustertes Modell zum offenen Tweedsakko wirkt britisch-lässig, die dunkle Schleife zum grauen Anzug festlich-korrekt.
Fliege kaufen: Material und Qualität
Woran erkennt man eine gute Fliege? Zuerst am Stoff: Reine Seide bindet griffig, fällt lebendig und glänzt, ohne zu spiegeln - dünne Kunstfaser dagegen rutscht beim Binden und wirft flache, tote Flügel. Dann am Schnitt: Eine gute Schleife ist formgeschnitten und leicht versteift, sodass der gebundene Flügel Stand hat, aber nicht wie gestärkt wirkt. Schließlich an der Verstellbarkeit: Ein sauber vernähtes Verstellband mit Häkchen und Größenmarkierungen erlaubt die exakte Halsweite - der Unterschied zwischen einer Fliege, die sitzt, und einer, die würgt oder schlackert. Unsere Schleifen aus dem Hause Calabrese in Neapel erfüllen alle drei Kriterien in Handarbeit; wer sie einmal gebunden hat, versteht den Unterschied buchstäblich mit den Fingern.
Häufige Fragen zum Fliege binden
Wie lange dauert es, eine Fliege zu binden?
Mit etwas Übung unter einer Minute. Beim allerersten Versuch dürfen Sie sich zehn Minuten und einen zweiten Anlauf zugestehen - das ist völlig normal.
Muss die selbst gebundene Fliege perfekt symmetrisch sitzen?
Nein, im Gegenteil: Die kleine Unregelmäßigkeit ist das Echtheitszertifikat des Selbstbinders. Wer perfekte Symmetrie wünscht, wählt die von Hand vorgebundene Schleife mit rückseitigem Verschluss.
Welche Fliege trägt man zum Smoking?
Eine schwarze Schleife aus Seide, klassisch zum Selberbinden, in der Breite passend zum Revers und zur Statur des Trägers. Glänzende Seide zum Seidenrevers des Smokings ist die klassische Wahl.
Kann man eine Fliege zum normalen Anzug tragen?
Selbstverständlich. Die Fliege zum Anzug ist tagsüber genauso legitim wie die Krawatte - sie wirkt nur eigenständiger. Gedeckte Farben und kleine Muster erleichtern den Einstieg.
Wie bewahrt man Fliegen richtig auf?
Selbstbinder werden nach dem Tragen geöffnet und flach oder locker gerollt gelagert, vorgebundene Schleifen behalten ihre Form am besten in der Schachtel. Knitter in der Seide verschwinden mit etwas Dampf aus sicherem Abstand - niemals mit direktem Bügeldruck.
Was ist der Unterschied zwischen Fliege und Schleife?
Keiner - es sind zwei Wörter für dasselbe Accessoire. Fliege ist der heute übliche Begriff, Schleife die traditionelle Bezeichnung, an der wir aus Zuneigung festhalten.
Pflegehinweis
Schleifen aus Seide sind nicht nur besonders elegant sind sehr angenehm zu binden, sie lassen sich auch leicht mit etwas Dampf (aber nicht zu heiß) bügeln oder noch besser: vorsichtig aufdämpfen. Unsere bereits vorgebundenen Schleifen lassen sich bei Bedarf öffnen und von Hand neu binden.
Autor: Andreas Thenhaus
Fotos: Herr von Welt
Model: Joost Bom
Grafik: Nina Spagnol
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